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17.08.2016

Stadtentwicklungspolitisches Positionspapier zur City West

Linksfraktion im Abgeordnetenhaus

 

Katrin Lompscher
stellvertretende Fraktionsvorsitzende
Sprecherin für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen


Berlin hat viele Zentren. Die bis heute einzigartige Polyzentralität der Stadt wollen wir erhalten und weiter entwickeln. Bis 1989 war die City West rund um Zoologischen Garten, Breitscheidplatz und Kurfürstendamm das unbestrittene Zentrum des damaligen West-Berlin, der Bahnhof Zoo als Fernbahnhof von zentraler Bedeutung. Heute bildet die City West mit der alten und neuen Mitte wieder ein Zentrum für die ganze Stadt.

Bis in die frühen 2000-er Jahre war die bauliche Entwicklung der City West – im Gegensatz zur City Ost – kein gesamtstädtisches Thema und wurde auf Bezirksebene verhandelt. Rege Bautätigkeit und schleichender Niedergang, sichtbar an leerstehenden Ladengeschäften, Schließung von Kulturstätten, Bedrohung von Denkmalen und dem Bedeutungsverlust des Bahnhofs Zoo durch Wegfall des Fernverkehrs, markierten die widersprüchliche Entwicklung.

Es wurde und wird viel investiert, neu- und umgebaut rund um Zoo, Universitäts-Campus, Ku'damm und Breitscheidplatz. Auch das stadtentwicklungspolitische Interesse an der City West ist gewachsen, was sich u.a. in der Aufstellung des Masterplans 2009, der Etablierung des Regionalmanagements City West und der Festlegung als Zukunftsort im Stadtentwicklungskonzept 2030 äußert.

Dennoch sucht die City West nach ihrer Rolle im neuen Berlin. Hochhausphantasien, ein »Business Improvement District« und noch mehr Shopping-Center werden dabei wenig helfen. Die wünschenswerte Belebung und Weiterentwicklung der City West und ihr Zugewinn an architektonischer Qualität darf nicht ausschließlich von kommerziellen Interessen bestimmt sein.

Traditionell im Bezirk verankerte Kulturinstitutionen wie die Kudamm-Bühnen sind durch die Abrisspläne des Grundstückseigentümers von der Schließung bedroht. Die Bahnhofsmission kann dem wachsenden Problem der Obdachlosigkeit kaum mehr begegnen. Hinzu kommen steigende Mieten, Mangel an funktionierender öffentlicher Infrastruktur, ein gescheitertes Riesenrad-Projekt. Die autogerechte Stadt der 60-er und 70-er Jahre, gegen die mit der Schließung des Tunnels am Breitscheidplatz schon einmal ein wichtiges Zeichen gesetzt worden ist, prägt noch immer wichtige Straßen und Plätze und wird derzeit kaum in Frage gestellt.

DIE LINKE meint: Die City West soll ein Zentrum für alle werden, ein Ort von Wissenschaft, Kultur und buntem städtischen Leben. Dazu braucht es keine Hochhausplanungen, Shopping-Malls und Kahlschlagsanierungen, sondern bessere Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, wie z.B. am Olivaer Platz und am Steinplatz, einen sensiblen Umgang mit dem baukulturellen Erbe aus Gründerzeit, Moderne und jüngerer Vergangenheit und nicht zuletzt den Erhalt und die Schaffung von bezahlbaren Wohnungen.

Leitlinien und Masterplan für die City West, seinerzeit auf Initiative des rot-roten Senats erarbeitet, sollen im Hinblick auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre partizipativ fortgeschrieben werden. Das ursprünglich für die Errichtung eines Aussichtsrads vorgesehene Grundstück an der Hertzallee soll rekommunalisiert und den ortsansässigen Universitäten für die dringend notwendige Erweiterung ihres Campus sowie für die Errichtung von Wohnraum für Studierende zu Verfügung gestellt werden. Dazu bedarf es der Aufstellung eines neuen Bebauungsplans. Am Bahnhof Zoologischer Garten als wichtigem Verkehrsknoten sollten wieder Fernverkehrszüge halten, und der Hardenbergplatz gewinnt durch den Verzicht auf überzählige Parkplatze, nicht durch den Bau einer Tiefgarage, die erforderliche Aufenthaltsqualität als Entree für die City West.